Gedanken zum Sonntag / Ostermontag

Wer mag, kann sich ein Kreuz oder ein schönes Osterbild auf den Tisch oder in die Raummitte stellen und dazu eine oder mehrere Ker­zen anzünden. Wenn mehrere Menschen zusammenkommen, ist es schön, wenn die Texte mit verteilten Rollen gelesen werden. Die Lie­der kann man zusammen singen. Dabei kommt es nicht auf die richti­gen Töne an, sondern auf die gemeinsame Freude dabei :o).
Wenn Sie im Text dieses Zeichen
(+) sehen, können Sie sich mit einem Kreuz bezeichnen („sich bekreuzigen“): die rechte Hand wird dazu von der Stirn zum Bauch und dann von der linken zur rechten Schul­ter geführt.
Die Bibeltexte sind der Lutherübersetzung entnommen, die Liedtexte dem Evangelischen Gesangbuch.
Die Ausarbeitung und der Text der „Predigt“ sowie die Texte der „freien“ Gebete stammen von Pastor Karl-Martin Voget.

Der Psam steht im Evangelischen Gesangbuch 747 (Psalm 118 i.A.)

Einer:      Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
         und seine Güte währet ewiglich.

         Alle:       Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
                    und ist mein Heil.

Einer:      Man singt mit Freuden vom Sieg
         in den Hütten der Gerechten:
         Die Rechte des Herrn behält den Sieg!

         Alle:       Die Rechte des Herrn ist erhöht;
                    die Rechte des Herrn behält den Sieg!

Einer:      Ich werde nicht sterben, sondern leben
         und des Herrn Werke verkündigen.

         Alle:       Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
                    ist zum Eckstein geworden.

Einer:      Das ist vom Herrn geschehen
         und ist ein Wunder vor unsern Augen.

         Alle:       Dies ist der Tag, den der Herr macht;
                    lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Einer:      Du bist mein Gott, und ich danke dir;
         mein Gott, ich will dich preisen.

         Alle:       Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,
                    und seine Güte währet ewiglich.

Gebet

Dein ist der Tag, und dein ist die Nacht. In der Oster­nacht, Gott, hast du deine Macht aufs Neue gezeigt: Jesus hat den Tod besiegt und uns das Leben gebracht.
Das dürfen wir auch mitten in diesen Zeiten der Angst und Not, der Beschränkungen und Zweifel glauben und bekennen.
So lass uns hören auf die frohe Botschaft, dein Evangeli­um, und erfülle uns mit der Freude und Gewissheit, dass er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende.
Lass uns diese frohe Botschaft weitergeben mit allem, was uns möglich ist, damit diese welt von neuer Hoff­nung erfüllt wird. Das bitten wir durch ihn, deinen Sohn Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit.
Amen.

Wir hören die Worte des Heiligen Evangeliums, aufgeschrieben bei Lukas im 24. Kapitel (Vers 13 - 35):

Das Nizänische Glaubensbekenntnis

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott, von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wieder kommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, allgemeine und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Predigttext steht in der Offenbarung, Kapitel 5, Vers 6 - 14

Auslegung („Predigt“):

Die Gnade Gottes und die Liebe Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Visionen sind in dieser Zeit schwierig geworden. Wer auch immer von „besseren“ Zeiten spricht, wird an der scheinbaren Realität gemessen. Was wir hoffen und was wir zu glauben scheinen wird ganz schnell zu einer Sei­fenblase und zerplatzt vor unseren Augen.

Ein unbeschwertes Osterfest und gemeinsame Gottes­dienste hatten wir uns erhofft. Vielleicht auch, das Heili­ge Abendmahl am Gründonnerstag wieder miteinander zu feiern, das Ausbreiten des Osterlichtes in der dunklen Kirche in der Osternacht. Die Chöre und die Bläser haben geübt und die Prediger sich mit Eifer auf die Vorberei­tung gestürzt in der Hoffnung, endlich wieder eine „frohe Botschaft“ zu verkünden.

Und dann: als „Zeichen des Verzichts“ entfallen die Got­tesdienste am Ostermontag und am Gründonnerstag, in manchen Gemeinden auch noch mehr. Da ist erst einmal „die Luft raus“. Und wenn die Sonne auch noch so schön scheint, im Herzen wird es dunkel.

„Wie lange soll das denn noch so gehen?“ - „Können wir überhaupt mal wieder „normal“ leben?“ - „Wo ist nur das Gottvertrauen der Christen hin?“

Ich denke an die allerersten Christen. Damals nannten sie sich noch nicht so und wurden auch noch nicht so genannt. Sie waren „Jünger“, Freunde und Schüler dieses Rabbis aus Nazareth, auf dem so viele Hoffnungen ruhten. Drei Jahre waren sie mit ihm umhergezogen, hatten Wunderba­res erlebt und eigentlich Unglaubliches. Ganz langsam war ihre Hoffnung gewachsen, dass sie wieder „normal“ leben und glauben könnten, ohne die politische Herrschaft der Römer und die „geistliche“ Herrschaft der Priester und Schriftgelehrten. Sie waren sich nicht sicher, ob sie das immer alles „richtig“ verstanden, ob sie diesen „Visionen“ trauen durften. Aber Jesus strahlte etwas aus …

Und dann kam dieser Tag vor dem Passah. Gemeinsam hatten sie das Passahmahl gegessen, eigentlich schon ei­nen Tag zu früh, und es war auch sonst eher ungewöhn­lich abgelaufen. Beim anschließenden Gebet im Garten Getsemane wurde Jesus gefangen genommen, verraten von einem von ihnen. Und keinen Tag später war er tot. Ans Kreuz gehängt wie ein Verbrecher. Da zerplatzten nicht nur Seifenblasen, das war wie eine Bombe. Keine Visionen mehr, nur noch Schrecken und Verzweiflung.

Zwei Tage hatten sie sich versteckt, dann kamen die Frauen und erzählten unglaubliche Geschichten. Das brachte sie nur noch mehr durcheinander. Sie wollten, ja: sie konnten an diesem Morgen nicht mehr neu hoffen, und Glaube und Gottvertrauen waren verschwunden. Sie sahen keine Zukunft mehr auf diesem weg. So machten sie sich auf den Heimweg, zurück in die „alte Normalität“. Was dann geschah, haben wir gerade im Lu­kasevangelium gelesen.

Jahre später ist Johannes, der Seher, im Exil auf der Insel Patmos. In Visionen sieht er die Zukunft der Welt. Er sieht Schreckliches, und er sieht Wunderschönes. Er sieht, was Angst machen kann und er sieht die Hoffnung. Für ihn ist diese Hoffnung in einem zusammengefasst: in Jesus, dem Christus. Wie ein Lamm sieht er aus. Ein merkwürdiges Lamm: mit 7 Hörnern und 7 Augen. Eher gruselig stelle ich mir das vor. Aber Johannes sieht viel mehr. Er sieht darin die 7 Geister Gottes, die Vollkommenheit der Schöpfung, das Heil für alle Kreatur. Und er hört den gro­ßen Lobgesang aller Geschöpfe auf den Retter.

Mit diesem Lobgesang endet die Offenbarung nicht. Im Gegenteil: jetzt geht es erst richtig los. Die 7 Siegel wer­den zerbrochen, die 4 apokalyptischen Reiter erscheinen, die 7 Posaunen erklingen. Und vieles mehr geschieht, bis nach dem Weltgericht endlich die neue Welt Gottes er­scheint, der neue Himmel und die neue Erde.

Und heute? Knapp 2.000 Jahre später? Der neue Himmel und die neue Erde sind noch längst nicht da.  Auch die anderen Visionen des Johannes sind vielleicht noch Zu­kunft, auch wenn manche meinen, dass sie vieles davon bereits in unserer Gegenwart erkennen könnten.

Ostern war ein neuer Anfang und nicht etwa das Ende der Hoffnung und des Glaubens. Und darum sind wir auch noch lange nicht am Ende. Nicht am Ende der Schrecken (leider!), aber auch noch nicht am Ende der Hoffnung (Gott sei Dank!) Halten wir fest an diesem Glauben, der uns hält und trägt. Sprechen wir es anderen zu: „Christus, der Herr, ist auferstanden!“ Und freuen wir uns, wenn wir die Ant­wort hören: „Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“

Sehen wir nach vorn. Ein - wie ich finde - kluger Mensch hat es einmal so formuliert: „Am Ende macht Gott alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist Gott auch noch nicht am Ende!“

In diesem Sinne: eine frohe und gesegnete Osterzeit! (Die dauert übrigens bis Pfingsten. Also die bunten Eier von den Sträuchern noch nicht wieder wegräumen, sondern hängenlassen oder bewusst jetzt aufhängen, damit es alle sehen: Das Leben ist stärker als der Tod!)

Lied: Evangelisches Gesangbuch 50, Strophe 1 - 7  Jerusalem, du hochgebaute Stadt
Dieses Lied ist nicht sehr bekannt, und Sie können es vermutlich nicht singen. Ich lade Sie ein, den alten Text einmal laut zu lesen und die Bilder dieser etwas ungewohnten Sprache wirken zu lassen, die von der (Vor-)Freude der kommenden Herrlichkeit singen. Es ist gewis­sermaßen eine andere Version der Vision des Sehers Johannes, die meinen Gedanken zu Grunde liegt.

  1. Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir. Mein sehnend Herz so groß Verlangen hat und ist nicht mehr bei mir. Weit über Berg und Tale, weit über Flur und Feld schwingt es sich über alle und eilt aus dieser Welt.
  2. O schöner Tag und noch viel schönre Stund, wann wirst du kommen schier, da ich mit Lust, mit freiem Freudenmund die Seele geb von mir in Gottes treue Hände zum auserwählten Pfand, dass sie mit Heil an­lände in jenem Vaterland?
  3. O Ehrenburg, nun sei gegrüßet mir, tu auf der Gna­den Pfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir, eh ich bin kommen fort aus jenem bösen Leben, aus jener Nichtigkeit und mir Gott hat gegeben das Erb der Ewigkeit.
  4. Was für ein Volk, was für ein edle Schar kommt dort gezogen schon? Was in der Welt an Auserwählten war, seh ich: sie sind die Kron, die Jesus mir, der Herre, entgegen hat gesandt, da ich noch war so ferne in meinem Tränenland.
  5. Propheten groß und Patriarchen hoch, auch Christen insgemein, alle, die einst trugen des Kreuzes Joch und der Tyrannen Pein, schau ich in Ehren schweben, in Freiheit überall, mit Klarheit hell umgeben, mit sonnenlichtem Strahl.
  6. Wenn dann zuletzt ich angelanget bin im schönen Pa­radeis, von höchster Freud erfüllet wird der Sinn, der Mund von Lob und Preis. Das Halleluja reine man spielt in Heiligkeit, das Hosianna feine ohn End in Ewigkeit
  7. mit Jubelklang, mit Instrumenten schön, in Chören ohne Zahl, dass von dem Schall und von dem süßen Ton sich regt der Freudensaal, mit hunderttausend Zungen, mit Stimmen noch viel mehr, wie von An­fang gesungen das große Himmelsheer.

Text: Johann Matthäus Meyfart 1626
Melodie: Melchior Franck 1663, Darmstadt 1698

Fürbitten und Vater unser

Einer: Jesus, Sohn Gottes!
Am Ostermorgen hast Du uns die Lebensfreude neu ins Herz gelegt. Wir bringen dir nun alles, was unser Herz erfüllt und bitten dich:
Alle: Herr, erhöre uns!

Einer: Auferstandener!
Dir brachten wir unsere offenen Fragen, ungelösten Probleme, unsere unklaren Beziehungen. Gib Ausdauer, Gelassenheit, unbeirrbare Hoffnung. Darum bitten wir dich:
Alle: Herr, erhöre uns!

Einer: Heiland der Welt!
Wir bitten dich für alle, die leiden: Die Überforderten, die Ängstlichen, die Kranken, die Unterdrückten, die Einsamen, alle, die ihren Lebensplatz suchen und sich in Grüften des Lebens befinden, die Trauernden. Führe sie ins Leben zurück. Wir rufen zu dir:
Alle: Herr, erhöre uns!

Einer: Lebendiger Gott!
Wir denken an unsere Nächsten, aber auch an die, die uns das Leben schwer machen. Segne und behüte sie. Darum bitten wir dich:
Alle: Herr, erhöre uns!

Einer: Barmherziger Vater!
Wir bitten dich für unsere Gemeinde und die weltweite ökumenische Christenheit, dass sie sich den Osterjubel erhält und der Welt von deinen Wundern singt. Dass sie nicht erstickt in Gesetzen und menschlicher Eitelkeit. Dass sie sich immer an deinem Willen und deiner Liebe orientiert. Wir rufen zu dir:
Alle: Herr, erhöre uns!

Einer: Friedefürst!
Wir bitten dich um Frieden für die Welt. Frieden zwi­schen Menschen, Völkern und Rassen. Frieden zwischen Dir und uns. Frieden in unseren Herzen. Wir rufen zu dir:
Alle: Herr, erhöre uns!

Einer: In der Stille sagen wir dir, was uns ganz persönlich auf dem Herzen liegt ...

G  E  B  E  T  S  S  T  I  L  L  E

Einer: Du weißt alle unsere Gedanken, kennst unsere Sorgen und Nöte, weißt Rat und Hilfe für jeden. Dir vertrauen wir und loben dich, unseren Vater. Wir beten gemeinsam:

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen:
Wenn mehrere Personen anwesend sind, können sie einander an den Händen fassen und nach dem Segen noch einen Augenblick so verhar­ren, bevor Sie das Schlusslied singen, dann die Hände wieder lösen und die Kerze(n) löschen.

Einer:        Der Friede Gottes sei mit uns allen.
Alle :        Gott sei ewiglich Dank.
Einer:        Der Herr segne uns und behüte uns.

            Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
            und sei uns gnädig.

            Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns
            (+) und gebe uns Frieden.    

Gemeinsam:        Amen.

 

Geistliche Angebote der Evangelischen Kirchen:

Eine Übersicht über Fernseh- und Radiogottesdienste finden Sie hier.

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands schlägt einen Ablauf für einen Gottesdienst am Sonntagmorgen für zuhause oder unterwegs vor unter dem Titel: Gebet zum Glockenläuten am Sonntagmorgen.

Wer Twitter nutzt, kann sich unter Twomplet um 7 Uhr morgens und um 21 Uhr abends zu einer Gebetsgemeinschaft zusammenschließen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland lädt ein zum Balkonsingen. Jeden Abend um 19 Uhr mit dem Lied: Der Mond ist aufgegangen, Bewahre uns, Gott oder Gott hält die ganze Welt.