Die Gedenktafel für die Gefallenen und Opfer des Zweiten Weltkriegs

Gedenktafel für die „Gefallenen und Opfer der Heimat“ des Zweiten Weltkriegs

Am 1. September 1939 begann mit der Beschießung der Westplatte, eine Landzunge in der Danziger Bucht, durch das Kadetten-Schulschiff Schleswig-Holstein der Zweite Weltkrieg. Er wird von Historikern als unmittelbare Folge des Ersten Weltkrieges angesehen. Wie viele Bothfelder als Soldaten in den Jahren 1939-1945 gefallen sind, ist uns nicht bekannt. Auch nicht, wieviele zivile Opfer die Luftangriffe im Stadtteil forderten. Dokumentiert ist der erste Luftangriff auf Hannover vom 18./19. Mai 1940 mit Toten in Misburg. In der Nacht vom 10. auf den 11. Februar 1941 starben die ersten Bewohner im Sahlkamp. Der Luftangriff von 572 Flugzeugen, die in der Nacht vom 27. auf den 28. September 1943 in einem breiten Streifen 1075 Sprengbomben, 32.400 Stabbrandbomben und 8.800 Phosphorbomben auf den nördlichen Teil Hannovers abwarfen, kostete 10 Bothfelder das Leben. Zahlreiche Gebäude, darunter die alte Bothfelder Schule und das älteste Haus Bothfelds von 1694, wurden zerstört. Am 4. November wurden durch einen Bombentreffer auf den Erdbunker des Landwirts Heinrich Homeyer 21 Personen getötet. Am 10. April 1945 besetzten amerikanische Soldaten Hannover-Bothfeld.

Der im Oktober 1949 wiedergegründete Bürgerverein Bothfeld-Klein Buchholz u. Lahe veranlasste (wohl Mitte der 1950er Jahre) zu Füßen des Soldatendenkmals zum Ersten Weltkrieg die Legung einer Steintafel mit der Inschrift „Zum Gedächtnis der Gefallenen und Opfer der Heimat in den Kriegsjahren 1939/45“.

Für Hannover verzeichnet das Onlineprojekt Gefallenendenkmäler acht Denkmäler, eines davon in Hannover Bothfeld an der St. Nicolai-Kirche. Es ist das einzige Denkmal im Stadtbezirk Hannover Bothfeld-Vahrenheide, zu dem auch die Sahlkamp, Bothfeld, Lahe und Isernhagen-Süd gehören. Entsprechend findet das jährliche Gedenken am Volkstrauertag unter Beteiligung des Bezirksbürgermeisters nach einem Gottesdienst an der St. Nicolai-Kirche statt. Bis zu seiner Auflösung 2012 kümmerte sich der Bürgerverein um die Pflege und den Erhalt der Denkmäler und lud die ortsansässigen Vereine zum Gedenken am Volkstrauertag ein.

Mit der Auflösung des Bürgervereins ist die Pflege und Verantwortung für die Erinnerungsmäler an die Kirchengemeinde St. Nicolai übergegangen. Die Kirchengemeinde verantwortet also die Form und die Botschaft der Erinnerung an. Diese Verantwortung wird unmittelbar sichtbar an jedem Volkstrauertag – und sie steht unter öffentlicher, politischer wie gesellschaftlicher Beobachtung.

Aus Anlass des Gedenkjahres 2014 hat die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers dazu angeregt, die Gedenkorte für die Verstorbenen der Weltkriege in den Gemeinden zu thematisieren: „Aus seelsorgerlicher Sicht sollten die Gedenkorte ein Ort des Gedenkens bleiben und aus friedenstheologischer Sicht ein Ort der Mahnung zum gerechten Frieden, im Sinne des umfassenden biblischen Schalom, werden! Dabei ist uns wichtig: Die Gedenkorte sollten ein sichtbarer Ort der Trauer für alle Verstorbenen der Weltkriege sein, einschließlich der zivilen Opfer. Es sollte möglichst nicht bei einer historischen Betrachtung bleiben, sondern von da aus nach konkreten Wegen für einen gerechten Frieden vor Ort und in der Welt gesucht werden. Das Gedenken der Weltkriege und die aktuellen Kriegsereignisse machen deutlich, dass wir als Kirche den Auftrag haben, mit allen unseren Möglichkeiten für den gerechten Frieden zu mahnen, zu beten und zu arbeiten. Wenn möglich sollte das neue friedenstheologische Denken auch sichtbar werden. Eine Umgestaltung oder künstlerische Ergänzung wäre ein schwieriger aber ein gewiss auch lohnender Weg. So könnten wir auch für spätere Generationen prägend werden.“ Den ganzen Text finden Sie hier.